Ein Dorf mit Geschichte und Geschichten
Landwirtschaft in Haasow
Nach der Bodenreform 1945 erfolgte in Haasow die Landaufteilung unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Nakoinz. Ausgerüstet mit Messstab und Pfählen wurde das Land zugewiesen.
Vom ehemaligen Gut Branitz gelangten hier 10,58 ha Acker, 4 ha Wiese und 16,07 ha Wald zur Verteilung. Aufgeteilt wurde an 13 Altbauern und 2 Neusiedler. Da verhältnismäßig wenig Bewerber vorhanden waren, wurden bei der Zuteilung persönliche Wünsche weitgehend berücksichtigt. Besitzurkunden sind verteilt, die Eintragung ins Grundbuch erfolgte am 27. Februar 1946.
1948 Der "Amikäfer" (Kartoffelkäfer) entwickelte sich zu einer regelrechten Plage. So gab es Absammelaktionen mit Prämien. Auch 28 Haasower Schulkinder der 5. bis 8. Klasse beteiligten sich. Die Abteilung Landwirtschaft vom Rat des Kreises belohnt die Kinder mit 2kg Bonbons.
1952 Die Erntefeste fanden im August/September statt. Für dieses Fest wurde eine Erntekrone angefertigt, die zum Umzug und zum Tanzen mitgenommen wurde. Die Vielzahl der gebundenen Ähren, die die Krone bilden, erinnerten die Menschen an ihre Abhängigkeit und ihr Gebundensein an die Natur.
Ein besonderer Höhepunkt war das Hahnrupfen. Dafür stellte man auf der Wiese ein aus Balken gefertigtes und mit grünem Laub geschmücktes Tor auf. Am Querbalken wurde ein toter Hahn an den Füßen, mit dem Kopf nach unten hängend, angebunden. Die Burschen mussten auf ihren galoppierenden Pferden nun versuchen, beim Durchreiten des Tores den Kopf des Hahnes abzureißen. Wem das gelang, konnte sich König nennen und erhielt einen Siegerkranz.
Am 12. Oktober 1959 erfolgte in Haasow die Gründung der LPG "Grüne Aue". Vorsitzender war der Meisterbauer Siegmund Hübner. Mitglieder waren meist nur Neubauern, da diese auf die gegenseitige Unterstützung hofften. Viele Bauern zeigten keine Bereitschaft den Genossenschaften beizutreten. Gelegentlich standen werbende Funktionäre vor verschlossenen Hoftoren.
Ab 31. März 1960 hieß die LPG in Haasow "Gute Ernte". Albert Kättlitz leitete die Genossenschaft.
Das erste vollgenossenschaftliche Dorf im Kreis Cottbus war Klein Oßnig. In Haasow musste noch länger Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die "Letzten" im Dorf, Max und Albert K., "bearbeitete" man in Cottbus. Dann konnte Ende 1960 auch im Ort aus einem Auto per Lautsprecher die Nachricht ertönen: "Haasow ist vollgenossenschaftlich!"
Den LPG-Mitgliedern verblieben zwei Morgen Land für die Privatbewitschaftung. Die übrigen Flächen bewirtschafteten die Bauern gemeinsam.. Ihre Tiere blieben zu Hause im eigenen Stall. Ein bestimmtes Soll an Abgaben (Milch, Eier, Fleisch) stand fest. Außerdem musste eine bestimmte Anzahl von Arbeitseinheiten erbracht werden, für die es Viehfutter gab. Eine Entgeltzahlung erfolgte nicht.
Zum Hausdreschen kam der Landwirt Kättlitz nach Anforderung gegen Entgelt zu jedem Einzelbauern mit seiner Dreschmaschine. Das der LPG zustehende Getreide wurde auf einem offenen Dreschplatz hinter dem Grundstück von Richard Mescha gedroschen. Der Hof von Familie Koal stand wegen Republikflucht leer. Hier begann man mit einer kleinen und gemeinschaftlichen Viehhaltung. Auch Scheunen und Ställe, die die Besitzer nicht mehr selbst bewirtschaften konnten (Kutscher) nutzte die LPG. Mescha und Wolschina stellten Teile ihrer Höfe der Genossenschaft zur Verfügung.
Im Dorf gab es zwei Milchrampen. Eine befand sich am neuen Konsum, die andere Rampe am Grundstück Kollaske. Morgens bis 7.00 Uhr erfolgte die Abgabe, die Kannenrückgabe gegen 13.00 Uhr durch die Molkerei Cottbus.
Zu den angebauten Pflanzen gehörten vorwiegend Getreide, Kartoffeln und Futterrüben.
Wirtschaftsfläche nach Nutzungsarten in Haasow
(Stand: Mai 1964):
Gesamtfläche: 695 ha, |
davon landwirtschaftliche Nutzfläche: 293 ha |
davon Ackerland: 177 ha, Grünland: 110 ha |
davon Wiesen: 88 ha, Weiden: 22 ha |
|
Viehbestände in Haasow
(Stand: November 1964):
Rindvieh: 283, davon Kühe: 135 |
Schweine: 331, davon Sauen: 33 |
Schafe: 65, davon Mutterschafe: 38 |
Legehennen über 6 Monate: 1096 |
|
Ab 1. Januar 1972 schlossen sich die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) Kahren und Haasow zusammen. Vorsitzender war Richard Mescha.
Im Jahr 1985 verstärkte die LPG Branitz den genossenschaftlichen Zusammenschluss von Kahren und Haasow.
Nach der Wiedervereinigung 1989/90 mussten sich die LPGen den neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen. Einige lösten sich auf und das Land wurde wieder an die genossenschaftlichen Eigentümer übergeben, die ihrerseits teilweise als Landwirte (Wiedereinrichter) begannen. Viele andere bestehen bis heute als GmbH oder Agrargenossenschaft weiter und dominieren in weiten Teilen die Landwirtschaft im Osten Deutschlands.
1991 gründete sich die Agrargenossenschaft Branitz mit Sitz in Kahren. Die Haasower, die ihre Flächen zurück bekommen hatten, verpachteten diese wiederum an die Agrargenossenschaft. |